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PINGUIN

„Was ist heeeeeeute dein größtes Problem?“

sagte die Physio, nachdem wir uns kurz bekannt gemacht hatten, in meiner ersten Physiosession. Und sie sagte das, während sie den Kopf durch den Vorhang steckte. Wie in einer Szene. Jutta heißt sie, die Gute.

Vor einigen Monaten hatte ich einen Bühnenunfall während einer Vorstellung und mein Sprunggelenk findet es immernoch zeitweise eher unlustig, dass ich meinte, mitten auf der Bühne eine Treppe runterzufallen und dann auch noch weiterzuspielen.


Jedenfalls stand ich da und sagte „Äääh naja mein Knöchel, das stand doch auch in der Verordnung oder?“

Sie schüttelte nur still und dramatisch langsam den Kopf und sagte nochmal „heeeeeeute dein größtes Problem“ und zog sich zurück. Dass sie nicht noch irgendwelche „Hoola-Hoola“-Bewegungen gemacht hat, war auch alles.

Ich kam mir vor wie im Film, wo einem so ein überirdischer Berater plötzlich zur Seite steht und aus dem Off / aus dem Gewissen tolle und wichtige Dinge sagt. Oder ein animierter Pinguin. Keine Ahnung, wie ich gerade auf einen animierten Pinguin komme, aber so ist es nunmal.

Innerlich hab ich mich dann gefragt, wo ich anfangen soll, ob bei meiner mentalen Überlastung oder meiner Umstellung im Alltag, meinem Gefühl des Schwimmens oder doch den Schmerzen in meinem Knöchel, kurzum: das hat was angestoßen.

 

Zumindest für zwei Minuten, denn eigentlich wollte sie natürlich wissen, was die Schmerzen und Schwellung verursacht, wir sind schließlich bei der Physio gewesen und nicht bei der Psychotherapie.

Sie hat sehr gut gearbeitet und ich habe dem Himmel gedankt dafür, was gute Physios innerhalb von kürzester Zeit erreichen können. Insgesamt war ich eine komplette Stunde da und fühlte mich danach wie eine Gazelle mit zwar etwas mehr Gewicht, aber großer Freude und keinen Schmerzen. Die Ursache an diesem Tag waren Faszien am Knie und mal wieder war klar: Das Symptom ist eigentlich nie die Ursache. Und ich entschuldige mich im Voraus für den super schlechten Wortwitz, aber: Faszienierend.

 

Dennoch, die Frage. Natürlich ließ sie mich nicht richtig los.

Denn im Prinzip ist sie eben doch das, was mich durch den Tag begleitet: was ist das, was man jetzt sofort tun kann? Was ist der nächste oder auch der erste Schritt? Was ist das Symptom und was ist die Ursache? Schaue ich an die richtige Stelle? Muss ich überhaupt wo hinschauen? Oder löst es sich, wenn ich das Hinschauen einfach mal lasse? Ich liebe es, wie sich diese physischen Dinge immer auf die Seele übertragen lassen. Und I mean, wenn das schon jemand so bedeutungsschwanger zu einem sagt...morgens um 8 ohne Kaffee...

 

Mein persönlicher animierter Pinguin jedenfalls sagt heute: „Mädchen, lass das mit dem Problem mal. Heeeeeute darfst du genießen.“ Und ich lache laut, weil dieser verdammte Pinguin mit seinem Kopf hinter dem Vorhang verschwindet und ich mich frage, was zur Hölle eigentlich gerade mit meinem Gehirn passiert.

Egal. Ich freu mich.

Und vielleicht sollte jeder von uns einen bedeutungsschwangeren animierten Pinguin in seinem Kopf haben, der einem auf irgendeiner verrückten Meta-Ebene Kommentare über das Leben macht, als wäre man sein eigener Hauptdarsteller.

Und dann sind diese wunderschönen Tiere auch noch immer so chic angezogen!

Passt. Nehm ich.

Ahoi.

 


 
 
 

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2 Kommentare


Regine
Regine
14. Apr.

Danke liebe Rebecca, es macht mir Mut u. Lust, immer wieder über das eigene Leben zu sinnieren... Lg von Regine

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Antwort an

Danke dir, liebe Regine! Ich freu mich, dass du meine Texte so gerne liest ☺️ Alles Liebe, Rebecca

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