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LORENZO


Ich gebe zu, diesmal habe ich länger nach dem Titel bzw. Synonym gesucht als alles andere – denn natürlich heißt Lorenzo eigentlich anders. Doch das Original zu toppen, ohne den Inhalt der Wahrheit zu verlieren, war schwer. Es dürfte aber klar sein, dass ich nicht den richtigen Namen und den richtigen Ort hier nennen möchte.

Also sind wir hier. Bei Lorenzo.

 

Im letzten Text habe ich ja bereits von meinen spannenden Physio-Erfahrungen nach meinem Bühnenunfall erzählt und naja...weiter geht's!

Nach diversen Orthopädenbesuchen und einigen nervlichen Abstürzen habe ich schließlich eine Diagnose und eben ein Rezept für Physiotherapie bekommen – normalerweise freue ich mich da immer drüber, weil sich eben Menschen nochmal aktiv mit der Verletzung und Heilung auseinandersetzen und sich Zeit nehmen (müssen). Diesmal war ich auch erfreut, aber vor allem erleichtert, dass diese Ärzte-Litanei endlich ein Ende hat.

Nur, was soll ich sagen? Eine Physio-Praxis zu erwischen, die nicht für Monate ausgebucht ist, ist deutlich weniger leicht als ich dachte.

Zudem eine, die auch Patienten nach Arbeitsunfällen behandelt.

Ich habe also die halbe Stadt durchtelefoniert und angeschrieben, nach ein paar Tagen zugegeben schon etwas aggressiv werdend.

 

Bis ich schließlich Ulla am Telefon hatte. Ulla war Klasse. „Machen Sie sich keine Sorgen, wir haben Termine für Sie!“ – ja, vermutlich war ich am Telefon schon nicht mehr so ganz in meiner inneren Mitte. Wie auch immer, Ulla war am Start.

Und dann sagte sie noch folgenden Satz:

„Es wird alles gut und Sie sind bei Lorenzo in den besten Händen!“

 

Lorenzo. Aha. Ok.

Naja gut, der erste Termin kam und Ulla rief an „Es tut mir total Leid, aber Lorenzo hat sich sehr kurzfristig krank melden müssen und ist nach Hause gefahren, wir müssen Ihren Termin absagen – aber Sie haben ja Ende der Woche den nächsten!“

Stimmt. Der nächste Termin war der aus dem vorherigen Text mit „Was ist heeeeeeute dein größtes Problem“ mit Jutta. Ihr erinnert euch.

Lorenzo war also immernoch unpässlich.

Eine Freundin sagte scherzhaft, nachdem ich meinte „Boah der hat bestimmt was Falsches gegessen und musste dringend sein Bad aufsuchen“: „Neeeein meine Liebe. Ein Lorenzo hat sowas nicht. Ein Lorenzo hat höchstens einen leichten Kopfschmerz!“

 

Denn natürlich wussten wir beide, wer Lorenzo ist: ein schnieker, durchtrainierter Italiener.

Ich muss gestehen, sowas tat mir gut nach dieser Verletzungszeit. Einfach jemand, den man angenehm anschauen kann, während der Knöchel besser wird. Ist da was verwerflich dran? Genau. Nein.

 

Der Jutta-Termin ging vorbei und ein paar Tage später war mein nächster.

Ich kam wieder früh morgens in die Praxis und musste von der Bahn ein Stückchen zu Fuß gehen. Mit mir zusammen zur Praxis lief jemand ein paar Meter vor mir. Braungebrannt, durchtrainiert, vielleicht 10cm größer als ich. Das musste er sein!!!

Ja. Also...nein. Er lief an der Praxis vorbei und irgendwo anders hin. Schade, er sah kompetent aus. Ich ging jedenfalls in die Praxis.

Ein Therapeut, vielleicht so Mitte 40, fragte mich ab über meine Verletzungen und stellte direkt mal die Verordnung infrage: „Hat dir diese Reizstromtherapie geholfen?“

Keine Ahnung, man, ich hatte das doch erst einmal! Naja jedenfalls interpretierte er kurzerhand die Verordnung etwas um und nahm die gesamte Session von 60 Minuten für manuelle Therapie. Dabei hat man dann ja auch Zeit zum Reden, während jemand den Knöchel auseinander- und wieder zusammenbaut.

 

Was soll ich sagen?

Das war Lorenzo: Mitte 40, kleines Bäuchlein, grau melierter Vollbart, Plattfüße.

Und Lorenzo kommt natürlich nicht aus Italien. Sagen wir: Ruhrgebiet. Sehr Ruhrgebiet. Aus Bottrop nämlich.

Lorenzo war sehr nett, bemüht, herauszufinden, was genau in meinem Knöchel Stress macht, und extrem motiviert!

 

Und weil das so typisch für den Menschen und das Leben ist, musste ich nach dieser Session so herzhaft lachen wie schon lange nicht mehr.

Wir bauen uns die wildesten Erwartungs-Kartenhäuser auf, denken uns Geschichten, Details und Wünsche (oder Befürchtungen) aus. Und IMMER kommt es komplett anders als man denkt.

Ja klar, da hatte ich Vorurteile – positive wohlgemerkt, ich liebe Italien über alles – aber wurde ich enttäuscht? Ich denke nicht. Höchstens zutiefst amüsiert! Lorenzo war total kompetent. Er kam nur halt aus dem Ruhrpott, was sehr lustig war, weil mein Heimatdialekt auch direkt mit ansprang.

Aber wer weiß? Vielleicht wäre der kompetent aussehende Italiener deutlich inkompetenter gewesen als der ruhrpottige Lorenzo.

 

Mittlerweile bin ich, nachdem ich beruflich vier Wochen weg war, zur Physio bei Melanie. Melanie ist perfekt. Und sie flirtet auch nicht ruhrpottig, sondern kümmert sich einfach um meinen Knöchel. Keine Italo-Vibes, keine Ruhrpottromantik. Einfach Physio, ohne Erwartungen. Dafür mit Schmerzen, aber das ist ok.

Melanie macht das schon.


P.S.: Glaubt mir, die Realität und die echten Namen waren noch besser als diese Fantasievariante. Nur zum Spaß: Wie glaubt ihr heißt Lorenzo aus Bottrop denn wirklich? Schreibt mir, kommentiert, ich freue mich auf eure Kreativität! 

 

 

 

 

 
 
 

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1 Kommentar


Regine
Regine
vor 3 Tagen

Herrrrrlllich, schreib unbedingt weiter liebe Rebecca!!!

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