MÖWE
- Rebecca Blanz

- 24. Juni
- 2 Min. Lesezeit
Das ist ein kleiner Text darüber, was einem alles so passiert, wenn man diesen Job macht. Es ist keine Beschwerde, kein „Mimimi“, sondern ein realer Schwank aus meinem Leben der letzten zwei Wochen.
Also:
Vor zwei Wochen habe ich ein Projekt in Berlin gesungen und mich, weil die Proben sehr komisch disponiert waren, entschieden, zwischendurch einen Kurztrip an die Ostsee zu machen. Das geht von Berlin super und an der Ostsee war ich viel seltener als an der Nordsee.
Soweit so gut, ich bin mit dem Bus hochgefahren, ohne Probleme. Das Meer, 10 Minuten am Wasser und alles ist gut. Oder? Mir geht es zumindest so.
Das war eine tolle Zeit und ich bin viel spazieren gegangen, es hatte angenehme 20-25°, perfekt.
Bis ich am Abend heimkam und original zu einer Freundin sagte:„Oh Gott, mir hat eine Möwe in die Haare gekackt!!!!“ und diese Freundin in schallendes Gelächter ausbrach.
„Das bringt bestimmt Glück, warte mal ab!!“ sagte sie.
Gut. Also abgesehen davon, dass mir dann noch meine Möwe auf den Rucksack gekackt hat, kam ich relativ wohlbehalten wieder in Berlin an.
Mit Ausnahme der kleinen Tatsache, dass eine Rolle an meinem Koffer eierte. Ich also in Berlin in ein Kaufhaus, was eine Werkstatt für meine Koffermarke mit dabei hat. Und 15 Minuten später den Koffer mit funktionierenden Rollen wieder mitgenommen.
Ich hüpfte in den Bus und fuhr zu „meiner“ Wohnung – 4. Stock, Altbau. Und was passierte? Genau. Direkt vor der Haustür riss der Griff oben am Koffer ab und ich durfte den Koffer 4 Stockwerke umarmen und so hochtragen.
Am nächsten Tag bin ich nach der Probe wieder in dasselbe Kaufhaus gedackelt und der Typ da war lustigerweise derselbe. Er schaute nur und sagte „Oh ne, ne?“ und litt richtig mit mir. Ich hab also den Koffer wieder abgegeben und diesmal hat es natürlich etwas länger gedauert – aber ich möchte eine Lanze brechen für diesen Service! Mein Koffer hat lebenslang Garantie, ich musste also nichts zahlen, die Leute waren toll, aber dennoch muss sowas ja nicht sein.
Ich hab es mit Humor genommen. Und in der Wartezeit ein schönes Geburtstagsgeschenk für meine Oma gefunden, mithilfe des wohl entzückendsten Verkäufers des ganzen Kaufhauses („Ooooh...für die liebe Oma! Bitte, nehmen Sie ihr diese duftende Rose mit!“).
Es war wie im Film. Am Ende war mein Koffer fertig und ich fuhr danach dann zum Konzert – ein spaßiges Educationprojekt, was mir wirklich Freude machte.
Zum Saisonende hin auch genau das Richtige.
Gut, dass nach dem ersten Stück allen Ernstes mein Kleid im Konzert geplatzt ist und meine Kollegin vor Lachen ebenfalls fast (zumindest innerlich), war dann irgendwie auch egal.
Ich hatte plötzlich wunderbare Bewegungsfreizeit und hey:
Möwenschisse bringen Glück.
Und ich war wenigstens kurz am Meer.
In der Woche danach war ich dann krank, aber auch das hat mich nicht abgeschreckt.
Andernfalls hätte ich gar nicht die Zeit gehabt, jetzt diesen Text zu veröffentlichen.
Will sagen: Irgendwie bin ich gerne mal von Drama umgeben, aber manchmal kann man gerne „drauf scheißen“.

Für Liên, die vermutlich noch immer einer Lachmöwe nacheifert.



Sehr authentisch, dass auch erfolgreiche Leute mal „drauf scheißen“ wollen